Warum sollten Unternehmen bei Investitionen unbedingt Fördermittel nutzen?

Warum kommen Unternehmen zu Ihnen, Frau Bremser?

Unternehmen, die neue Maschinen kaufen möchten oder eine neue Produktionshalle, Betriebsstätten oder Hotels bauen wollen, möchten wissen, ob sie Fördermittel nutzen können. Hierbei kann es unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 30 Prozent an nicht rückzahlbaren Zuschüssen für förderfähige Investitionskosten geben.

Junge Unternehmen fragen nach Kapital, um zu starten oder zu wachsen. Investoren, die Startups bei der Finanzierung helfen möchten, können mit dem Programm INVEST Zuschüsse bis zu 100.000 EUR erhalten.

Schon allein für die Beratung können bestehende und junge Unternehmen nicht rückzahlbare Zuschüsse bis zu 80 Prozent erhalten.

Welche EU-Förderungen sind es in der Regel, die Sie für Unternehmen finden? Mit welchen sind Sie vertraut?

Unter den Begriff EU Förderung fallen alle Förderprogramme. Die EU Mitgliedsstaaten vereinbaren zu Beginn einer Förderperiode, wieviel Geld ein Mitgliedsland erhält. Die laufende Förderperiode gilt von 2014 – 2020. In Deutschland gibt es Förderprogramme, die bundesweit gelten. Außerdem hat jedes Bundesland spezielle Landesförderprogramme mit eigenen Richtlinien, die nur für das jeweilige Bundesland gelten.

Mein Schwerpunkt liegt auf dem Finden von nicht rückzahlbaren Zuschüssen aus den Landesprogrammen der regionalen Wirtschaftsförderung in Kombination mit Förderdarlehen, Haftungsfreistellungen und tilgungsfreien Jahren.

Bei jeder Investition sollte ein Finanzierungskonzept erstellt werden, das alle Programme berücksichtigt. Ziel ist es, die passende Finanzierung zu finden mit allen Fördermitteln, die kombiniert werden können.

Zusätzlich gibt es Bürgschaftsbanken und Beteiligungsgesellschaften. Diese stellen Bürgschaften oder Beteiligungen für Unternehmen bereit. Je nachdem, um welche Beteiligung es sich handelt, wird das Geld als Eigenkapital eingestuft. Damit kann ein Unternehmen seine Bonität verbessern.

Vielen sind die Förderdarlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW Bank) bekannt. Hierüber können nicht nur Gründer, bestehende Unternehmen, sondern auch Privatpersonen günstige Darlehen erhalten.

Wie kompliziert ist es für mittelständische Unternehmen, einen Förderantrag zu stellen?

Da sich Unternehmer um ihr Tagesgeschäft kümmern müssen, bleibt wenig Zeit, sich mit der Beantragung von Fördermitteln zu beschäftigen.

Zuerst muss das Vorhaben geklärt werden. Dann muss geprüft werden, welche Förderprogramme in Frage kommen. Allein in Deutschland gibt es über 2.400 Förderprogramme. Dabei die Richtigen zu finden, ist schon eine große Herausforderung. Um ein Vorhaben mit Fördermitteln zu finanzieren, muss man wissen, dass Programme kombiniert werden können. Dies erkennt man in den Richtlinien. Sinnvoll ist es, sich vor Antragsstellung mit den Fördermittelgebern auszutauschen.

Wer sind Ihre Ansprechpartner? Die Landesregierung oder direkt „Brüssel“?

Für deutsche Unternehmen sind die richtigen Ansprechpartner in den jeweiligen Landesbanken, Bürgschaftsbanken, Beteiligungsgesellschaften, der KfW Bank oder der Bundesministerium für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, BAFA, zu finden. Diese beantworten Fragen vor, während und nach der Antragsstellung.

Förderprogramme, die direkt in Brüssel beantragt werden, gelten für Unternehmen, die Kooperationen mit anderen europäischen Unternehmen eingehen. Die Hürden, die hier genommen werden müssen, sind im Vergleich zu den Landesförderprogrammen sehr hoch. Die Wahrscheinlichkeit, damit Fördermittel zu erhalten, ist entsprechend niedrig.

Werden Fördermittel aus Ihrer Sicht wegen der überbordenden Bürokratie zu selten abgerufen?

Ja. Die meisten Unternehmen wissen nicht, welche Fördermöglichkeiten es gibt. Auch mangelt es an Erfahrung und Zeit, diese zu beantragen.

Sinnvoll ist es, einen Fördermittelberater zu beauftragen. Dieser kann aus der enormen Anzahl an Fördermöglichkeiten, die richtigen Programme finden und dem Unternehmen von der Antragstellung bis zum Abschlussbericht beratend zur Seite stehen.

Welche Förderhöhen sind denn üblich bzw. um welche Beträge handelt es sich meist, wenn Sie aktiv werden?

Das kann man nicht pauschal beantworten. Junge Unternehmen, die nur 50.000 EUR Kapital brauchen, haben meist keine Zeit, den nötigen Businessplan mit der dazugehörigen Finanzplanung zu erstellen. Hier ist es sinnvoll, Hilfe von einem Fördermittelberater zu erhalten. Ist der Berater auch noch bei der BAFA gelistet, können Zuschüsse in den alten Bundesländern von 50 Prozent, in den neuen von 80 Prozent beantragt werden.

Bei Unternehmen, die ihren Betrieb erweitern möchten und neue Maschinen benötigen, kann der Betrag schnell die Millionengrenze überschreiten. Auch hier kann die Beratung gefördert werden.

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, bei jeder Investition Fördermöglichkeiten zu prüfen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit Fördermitteln kann ein Unternehmen die eigene Liquidität schonen und seine Bonität verbessern. Das führt zu einem besseren Rating und niedrigeren Zins- und Tilgungszahlungen. Außerdem können Wachstumspotentiale ausgeschöpft, die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert, Fachkräfte gesichert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Interview mit Silke Bremser, zertifizierte Fördermittelmanagerin für Unternehmen, 29.01.2018

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